Zeichnung: Martina Burandt

 „Leben in Skizzen“

Arbeitsweise / Allgemein:

 

Mein Ausgangspunkt ist meistens der Wunsch zu erzählen, sei es in Buchstaben, Bildern, Zeichnungen, Theater, Bewegung oder Skulpturen.

 

Ich fand es schon immer befreiend, Dingen, die mich beschäftigen, die mich und mein Leben umgeben, in irgend einer Form Ausdruck zu verleihen – angefangen beim Tagebuchschreiben bis hin zum Bild, zur Figur oder im Tanz.

So finden sich in meinen Werken Geschichten – seien es erfundene, selbst erlebte oder die, die ich irgendwo erzählt bekommen, aufgeschnappt oder gelesen habe.

Sie sammeln sich in Büchern, Heften, auf Leinwänden und Papier sowie in Skulpturen und Installationen – und anschließend wiederum verstaut in Schubladen, Kisten u.ä.

 

Meine Herangehensweise ist zunächst meist bewusst assoziativ und subjektiv– aus meinem eigenen Empfinden heraus – und genau daraus ergeben sich dann, im Arbeitsprozess und im Umgang und im Experimentieren mit immer neuen Materialien, meine Projektideen und Arbeiten – die dann auch zu Serien werden.

 

 

DIE SKIZZENBÜCHER:

 

Beinahe von Anfang an  habe ich in Skizzenbüchern gearbeitet.

Zum einen hatte ich kein Atelier zum arbeiten. Die Kinder waren noch relativ klein. Mein künstlerisches Schaffen musste zwischen Küchentisch- und Schreibtisch; zwischen Familien- und Lohnarbeit passen – zeitlich wie räumlich. Und da war nicht immer viel Platz. Meine Bücher konnten relativ umkompliziert weggepackt werden und das kleine Format war mit dem Familien-Wohnraum kompatibel. Zum anderen empfand ich die Hefte und Bücher immer als perfekte Ergänzung und Verbindung zu meiner Schreibarbeit als Journalistin und Autorin.

 

Ein Skizzenbuchkurs vor vielen Jahren bei Isabel Valecka, bei dem einfache Skizzenbücher selbst gefertigt wurden, entfachte schließlich ein regelrechtes Skizzenbuch-Fieber bei mir und ich begann zusätzlich immer mehr brauchbare alte  Bücher zu sammeln, die ich nun übermale, verändere und fülle - mit Bild sowie selbstgeschriebener Lyrik.

 

Diese Bücher bieten aber mit ihrem Inhalt an Schrift und Bild zusätzlich unzählige Anregungen, die ich teilweise aufgreife. Vor ca. 3 Jahren brachte mir meine Tochter Franca ein kleines, altes Pixiebuch vom Flohmarkt mit, mit den Worten: „Ist das nicht auch was für dich, Mama?!“ So entstand ein Extraprojekt im „Lebensprojekt Skizzenbuch“.

 

 

DIE MATERIALCOLLAGEN:

 

Die  Materialcollagen entstanden anfangs aus dem Versuch, Bilder mit Hilfe des Nähhandwerks herzustellen. Ich empfand dieses Bearbeiten der Leinwand mit Nadel und Faden, unter Bezugnahme von Stoffen, Drähten, Füllmaterialien und Wachs als sehr sinnlich und gleichzeitig handwerklich.

 

Irgendwie erinnerte mich mein Tun an die Arbeit eines Chirurgen (von altgriechisch „Hand“ oder „Werk“) und damit auch  an menschliche Verletzlichkeit. Dies  wiederum weckte in mir Erinnerungen an eigene Krankheiten und Krankenhausaufenthalte  sowie an die Schicksale  enger Familienangehöriger, die ich in Folge bearbeitete. Dabei ist es mir wichtig, dass diese Arbeiten immer eine Aussagekraft über eine mögliche konkrete Geschichte hinaus bekommen.

Geburt, Krankheit, Leid, Tod und Verletzlichkeit ist hier oft das Thema.

 

Dabei gehe ich – sei es in den Skizzenbüchern oder in den Collagen - niemals anhand eines konkreten Themas oder einer konkreten Geschichte ans Werk. Vielmehr entstehen diese im Arbeitsprozess – lernen hierbei das „Laufen“ und verselbständigen sich im Laufe der Arbeit.

 

 

 

DIE SKULPTUREN UND INSTALLATIONEN:

 

Die Herangehensweise ist hier dieselbe wie bei den anderen Arbeiten. Ich arbeite mit Ton und Porzellan.

Die skulpturale Arbeit empfinde ich als einen sehr sinnlichen Schaffensprozess, wobei ich erwarte, dass sich Konzentration und Herzblut durch meine Hände in die jeweilige Figur fließen und ihr somit Spannung und Ausdruck verleihen.

 

Porzellan übt dabei einen besonderen Reiz auf mich aus. Dieses empfindliche Material zu bändigen und mit ihm an seine materielle Grenze von Elastizität zu gehen, erfordert noch mehr Konzentration, noch mehr Fingerspitzengefühl als bei Ton oder Wachs und macht für mich den Arbeitsprozess regelrecht zu einer meditativen Übung in Geduld, Achtsamkeit, Durchhaltekraft und Gelassenheit . Letztendlich ist es ein hochkonzentrierter „Liebesakt“ mit einem ganz besonderen Material.

 

 

Verwandte Materialien insgesamt:

Acryl, Aquarell, Tusche!, Buntstift, Fundstücke, Fotos, Zeitungsausschnitte, Stofftiere, Stoff, Faden, Wachs, Papier, Porzellan

https://www.kreiszeitung.de/lokales/bremen/fragil-bleibend-8727979.html

Artikel in der Syker Kreiszeitung, September 2017

 

„Mein Kunst-Stück“ 

Fragil und bleibend: Martina Burandts Porzellanfigur „Verbindung“

 

Bremen - Von Ilka Langkowsik.

„Verbindung“ heißt Martina Burandts Porzellanfigur, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das Kunstwerk zeigt eine Mutter mit ihrer Tochter in liebevoller Umarmung.

 

Martina Burandt gestaltet ihre Porzellanfiguren entweder lang und dünn oder breit und dick. „Verbindung“ gehört zu den fragilen, schlanken Skulpturen. Das feine harte Porzellan steht auf einem organischen Sockel aus Holz. Der Übergang von Kleid zu Baumrinde ist nahezu fließend. Die technische Herausforderung bei den hohen Figuren bestehe darin, das Porzellan so aufzubauen, dass es weder bricht noch zusammensackt, erklärt die Künstlerin. „Das Porzellan ist glatt, geschmeidig und kühl. Es will mit größter Konzentration bearbeitet werden. Denn es gibt einen kritischen Zeitpunkt, an dem das Material seine Geschmeidigkeit verliert und reißt.“ Ist die Figur erstmal geformt und gebrannt, kann sie nur noch zerspringen. Die Empfindlichkeit des Materials, das gleichzeitig so beständig ist, nutzt Burandt für ihr Grundthema von Vergänglichkeit, Leben und Tod.

 

Die Bindung von Mutter und Kind reizte Burandt besonders. „Einerseits ist es eine sehr starke Bindung, andererseits muss man sie aber nach und nach lösen.“ Wenn die Kinder aus dem Haus sind, bleibe diese Bindung jedoch meist auf einer anderen Ebene bestehen.

Um ihre Werke auszustellen, fertigt Burandt „Schutzräume“ an. Die kleinen breiten Skulpturen setzt sie in hölzerne Kästen. Die schlanken hohen Figuren bekommen einen mit Fell ausgekleideten Gitterkäfig. Solche Behältnisse, in denen sie etwas verbirgt, benutzt Burandt auch in ihrer Malerei. Gerne verbindet die Bremerin unterschiedliche Materialien. Unter anderem näht und zeichnet sie auf die Leinwände. Als sie begann, zerlegte Kuscheltiere in ihre Arbeiten zu integrieren, fand sie darüber zu skulpturalen Arbeiten.

Gemalt hat Burandt schon von klein auf. Sie wollte Kunst studieren, entschied sich dann aber doch für den Journalismu. Irgendwann kam sie als Jounalistin an einen Punkt, an dem sie lieber selbst Kunst machen wollte als über Kunst zu schreiben. Die Journalistin suchte sich ein Atelier und begann ernsthaft zu malen. Das war vor sieben Jahren.

 

Arbeit im Atelier und für Yogakurse

Heute arbeitet Burandt meist vormittags und am Wochenende in ihrem Atelier. Außerdem schreibt sie und gibt Yogakurse. „Jeden Tag und ausschließlich Kunst zu machen, würde ich schwer ertragen“, sagt sie. Finanzieren muss sich Burandt über die Kunst nicht. Dennoch sieht sie es als eine Herausforderung, den eigenen künstlerischen Freiraum zu wahren und sich nicht beeinflussen zu lassen. Auch nicht, um zu verkaufen.

Ob wir Kunst brauchen? „Ja“, mein Burandt, „jeder Mensch hat den Wunsch sich auszudrücken. Der eine über Autos oder Schuhe, der andere macht lieber Skulpturen.“ Die Kunst bringe uns auf andere Gedanken, als die, die unseren durchstrukturierten Alltag bestimmen.

Zu den Künstlern, die für Burandt besonders bedeutend sind, zählen die mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907 bis 1954) und Louise Joséphine Bourgeois (1911 bis 2010). Die französisch-US-amerikanische Bildhauerin, ist unter anderem für ihre neun Meter hohen Spinnen-Bronzefiguren bekannt. Deren Biographie imponiert der Bremerin. Bourgeois habe lange Zeit im Schatten ihres berühmten Mannes gestanden, weiß Burandt. Erst mit 70 Jahren sei die Künstlerin selbst richtig herausgekommen. Ihre Kunst sei „morbid und schön“. Kahlo fasziniert Burandt, weil sie es schaffe, ihr Innenleben zum Gegenstand zu machen und ihm eine Allgemeingültigkeit zu geben.

Wenn Burandt jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eine Kuscheltiercollage an die Betreiber von Massentierhaltungen und die dafür verantwortlichen Politiker, beispielsweise eine Collage mit einem offenen Affenschädel oder einem gespaltenen Schweinskörper.