Ausstellungen

März 2018

 

Ausstellungseröffnung am 9. März 2018 in der Kleinen Galerie, Eichenbergstraße, Bremen

 

Der Wolf ist tot….

Martina Burandt: Zeichnung, Malerei, Pixibuch

Rainer Kosubek: Zeichnung, Drahtzeichnung, Scherenschnitt

Mit der Wahl des Titels „Der Wolf ist tot…“ wird ein dreiteiliger Ausstellungszyklus der beiden Künstler in der Kleinen Galerie abgeschlossen.

Martina Burandt und Rainer Kosubek arbeiten seit sieben Jahren in einer Ateliergemeinschaft in Bremen zusammen.

Ihre Arbeits- und Herangehensweisen an die Kunst sind jedoch unterschiedlich.

Während Rainer Kosubek konzeptuell und seriell verschiedene Themen der Kunstgeschichte umdeutet, nähert sich Martina Burandt spielerisch und erzählerisch ihren Themen.


Foto: Martina Burandt
Foto: Martina Burandt
Foto: Rainer Kosubek
Foto: Rainer Kosubek

Ausstellungsöffnung im Kulturhaus Müller

während der Weihnachtsfeiertage

 

 

 

 

 

Die aktuelle Ausstellung "Meine gekrümmten Linien sind nicht verrückt" Martina Burandt - Malerei Collage Skulptur Rainer Kosubek - Zeichnung Aquarell Scherenschnitt ist am Sonntag, 24. Dezember, und Sonntag, 31. Dezember, geschlossen.

 

Die Ausstellung ist wieder am Sonntag, 7. Januar, 11 bis 17 Uhr und bei den Veranstaltungen der regioVHS Ganderkesee-Hude im Kulturhaus Müller geöffnet.

 

Der Eintritt ist frei!

 

https://www.kulturhaus-mueller.de/veranstaltungen/

 

https://weserreport.de/2017/10/delmenhorst/oldenburger-land/sehr-verrueckt-und-durchaus-auch-gekruemmt/

 

https://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/kultur/ganderkesee-ausstellung-auch-unten-drunter-ist-kunst_a_32,1,727622420.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: © Felix Burandt

 

 

Eröffnungsrede vom Künstler und Galeristen Tilman Rothermel:

http://www.kulturhof-peterswerder.de/

 

Liebe Martina Burandt, lieber Rainer Kosubek, liebe Gäste, und natürlich Hans Martin Gutmann, herzlich willkommen.

Hans Martin Gutmann hat uns ja schon ein kleines Konzert gegeben, ich bin sehr beeindruckt, und freue mich ganz besonders, dass wir nun auch, ohne eigentlich dabei zu sein, unseren Beitrag leisten können für das Festival Jazz-ahead, wo Hans Martin Gutmann durchaus hingehört. Prof. Dr. Hans Martin Gutmann, wie sein akademischer Titel lautet, ist neben den verschiedensten anderen Aufgaben an der Universität Hamburg Sprecher des Fachbereichs Evangelische Theologie und als solcher auch Mitglied der Synode der ev.-luth. Kirche in Norddeutschland. Also eine herzhafte Mischung in unserer kleinen Galerie. Wir werden später, so gegen 20:30 noch ein etwas längeres Konzert von ihm hören, da gibt es dann auch ein paar Stühle, so dass man richtig zuhören kann. Ich freue mich bereits sehr darauf.

A propos „kleine Galerie":

So richtig „offiziell" zeigen wir hier Kunst und eben auch ganz andere künstlerische Veranstaltungen - Lesungen, Theater, Performances, Musik - seit mehr als 26 Jahren, darauf sind wir richtig stolz, ein Viertel Jahrhundert Bremer Kultur mitgestaltet zu haben. Und vor einem 5tel Jahrhundert also vor genau 20 Jahren hatten wir hier in diesem Raum auch die erste Ausstellung von Rainer Kosubek. Das ist uns beiden gestern so richtig bewusst geworden, wie lange wir uns schon kennen und unsere gegenseitige Arbeit wertschätzen.

Rainer, der auch Kollege war an der Bremer VHS ist dann vorwiegend an die Kunsthalle abgedriftet, wo er sicherlich einigen von Ihnen auch viel über Kunst erzählen konnte. Einmal gelang es uns ein interessantes Experiment dort zu machen: Wir betreuten jeder jeweils eine Gruppe von Besuchern, jeder von uns beiden führte mit seiner eigenen Herangehensweise in die Welt der Bilder ein, und zwar hatten wir die gleichen Bilder ausgewählt, und dann, am Ende der Veranstaltung kamen beide Gruppen zusammen und berichteten was sie jeweils von der Kunstführung mitgenommen hatten. Natürlich fragte man sich, ob man in der gleichen Ausstellung war, aber eines wurde klar: Kunst ist immer eine Sache, die im Kopf passiert und nicht auf einem Börsenplatz. Auch die Hinweise, die wir geben konnten, waren Hinweise, die unserer jeweils eigenen Anschauung entsprangen, ohne Anspruch auf letzte Gültigkeit, nur mit dem Siegel versehen, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt sich Bildern zu nähern.

Und nun warne ich Sie natürlich: wenn ich Ihnen, meine Damen und Herren nun etwas über unsere beiden Künstler / Künstlerinnen erzählen werde, dann ist das ebenso meinem Kopf entsprungen. Was ich sage muss überhaupt nicht stimmen, vielleicht schimpfen mich die beiden hinterher dann fürchterlich, aber es wird hoffentlich für Sie, liebes Publikum ein Weg sein, der Ihnen Ihren eigenen Weg zu den Werken öffnet.

Wenn man unter normalen Ausstellungsbedingungen hier in diesen Raum eintritt, d.h. also, wenn sich niemand in diesem Raum befindet außer Ihnen, dann sehen Sie sich einem quasi riesengroßen Teppich gegenüber, einem Teppich mit einer endlosen Menge an kleinen wunderschönen, absonderlichen, verspielten, aufregenden menschlichen Figuren.

 

Was macht da eigentlich Rainer Kosubek? Abgesehen davon dass er Museumspädagoge ist und mit Kindern oder Jugendlichen Projekte entwickeln muss, die für ihn selbst Sinn machen ist er ein Mensch, der ständig die Augen offen hat und sich von unvorhergesehenen Wahrnehmungen leiten lässt. Z.B. mit diesem Projekt: das fing damit an, dass er mit Kindern in der Kunsthalle arbeiten wollte und natürlich mit dem Material, was die Kunsthalle nun mal so hergibt, also Bilder, und dem was auf Bildern nun mal drauf zu sehen ist, - also z.B. Menschen – also damit Schablonen  anfertigen wollte, die dann zu neuen Bildern zusammengestellt werden sollten. Die Reste, also die Umrisse der Schablonen, wenn man das so sagen kann, lagen dann achtlos auf einem Haufen, und Rainer hätte sie auch wegwerfen können, aber es fiel ihm auf, dass sich durch die Überlagerung der Schablonen ganz eigenartige neue Figurationen bildeten, Figuren von einer ganz seltsam anmutenden Qualität.

Und damit war das Feuer angefacht, für das, was hier an den Wänden hängt. Seit drei Jahren arbeitet Rainer nun an diesem Riesenprojekt, von dem Sie hier in diesem Raum knapp die Hälfte sehen können. Maillol, Liebermann, Rodin, und wie die Großen in der Kunsthalle alle heißen, wurden gnadenlos schabloniert, unter Missachtung jeglicher Größenverhältnisse, denn es wurden nun natürlich alle über den gleichen Kamm geschert, mussten über den gleichen Kamm geschoren werden, damit nachher alle die richtige Größe bekamen, die ihnen zusteht.

So, immer zwei Schablonen übereinander gelegt und durchgezeichnet. Rainer hat nun inzwischen etwas mehr als fünfhundert dieser Schablonen, und natürlich erschöpfte sich dann auch allmählich das Reservoir der Kunsthalle und Kosubek musste auf andere Museen und andere Abbildungen ausweichen um seine bildnerischen Ideen weiter realisieren zu können.

Bei diesem Verfahren entstehen immer Figuren, denen irgendetwas fehlt. Durch das Übereinanderlegen zweier Negativschablonen fällt da ein Bein ab, dort ein Arm, das Gesicht wird halbiert oder der Fuß abgehackt. Man kann das so grausam sehen, muss es aber nicht.

Es entstehen im Gegenteil Wesen, die in ihrer Raffinesse eine ganz neue Spezies begründen. Es sind eindeutige Mischwesen halb Gegenstand oder Mensch, halb flächige bildnerische Abstraktion.

Wie jeder hier, liebe Gäste, absolut sicher weiß, gibt es auf einem Bild ja nun sowieso keine Menschen drauf. Auch wenn das Bild „die Kuhhirtin" heißt ist da noch lange keine Kuhhirtin drauf. Sonst wäre schon längst die Kriminalpolizei dem Liebermann auf den Hals gerückt. Auf dem Bild gibt es Farbflecken, Begrenzungen von Farbflächen, es gibt Richtungen, Kontraste, und was des Künstlers Herz noch weiter beglücken mag. Denn damit spielt er, mit nichts anderem. Und was wir dann wahrnehmen, das ist dann unsere Entscheidung als Betrachter. Dummerweise sind wir so erzogen oder vielleicht auch so zur Welt gekommen, dass wir in allem irgendwelche Gegenstände sehen wollen.

Es macht ja auch Sinn, dass wir statt einer gelben, interessant modulierten Fläche einen Säbelzahntiger sehen. Aber wenn man mit etwas vertraut ist, wenn man weiß, dass das alles gefahrlos ist, dann können wir uns den ästhetischen Genüssen hingeben. Dann können wir uns an Formen, an Farbnuancen ergötzen, können das Spiel aufgreifen zwischen dem Ästhetischen und dem Gegenständlichen.

Und wenn man, wie Rainer Kosubek, schon hundertmal die Kuhhirtin erklärt hat, wenn man den „Denker" von Rodin von allen Seiten auswendig kann, dann kann man sich auch loslösen von diesen ganzen ehrwürdigen Figuren, und in frischer postmoderner Allüre aus diesen Figuren neue machen, aus dem Fundus der Kunstgeschichte schöpfen und dieselbe zum Steinbruch erklären, aus dem man beliebig das Rohmaterial herauslösen kann für neue Schöpfungen.

Nun, so etwa verstehe ich das Werk von Rainer Kosubek. Aber es gibt ja nicht nur das einzelne Blatt, wie wir hier deutlich erkennen können, sondern es gibt das riesengroße Ensemble, die Bezüge zwischen den Figurinen von oben nach unten von links nach rechts es gibt den Bleistift, das Aquarell, das helle Papier, das graugetönte usw. Also es ist die Lust am Wandern, die wir hier verspüren, einem Wandern von Element zu Element, die eigene Wahrnehmung schärfend, weil man selbst entscheiden muss und will wohin man zuerst und dann und  noch einmal und dann hinsehen will und genau die Details besehen, die Kosubek hier in durchaus auch heiterer Manier uns vorführt.

Zum Schluss noch ein Zitat von Rainer zu der Frage, wie es denn weitergehen mag:

„...Auch wenn das Aufspüren und die Neugier der Antrieb für das Entstehen dieser Serien war, so sehe ich diesen Arbeitsprozess mit dieser Ausstellung zunächst abgeschlossen. Weit über fünfhundert Positivschablonen und ebenso viele Negativschablonen warten darauf, dass etwas mit ihnen geschieht. Vieles spukt im Kopf herum, aber nichts konkretes. Nur eins ist klar: Wie schon bei diesen Arbeiten wird auch der nächste Schritt von jenen Impulsen bestimmt werden, die für mich wichtig sind, dem Zufall und dem Unvollkommenen."  Soweit zu dem, was wir demnächst erwarten können..

Also viel Spaß beim Entdecken, beim hineinsehen, beim assoziativen Erobern. Apropos erobern: Wie immer, Künstler leben von ihrer Kunst, und wenn es Ihnen gefällt, greifen Sie zu und genießen Sie den Mengenrabatt.

 

So, und in etwa 10 Minuten geht es in raum2 weiter mit der Einführung zu Martina Burandts Werken, und ich möchte dann auch auf die Gemeinsamkeiten dieser beiden Künstlerkollegen etwas mehr eingehen, von dem Sie sich hier ja auch schon - vor allem in den Schachteln - ein Bild machen können.

 

Wir sind hier bei den Arbeiten von Martina Burandt, die viel weniger als Rainer Kosubek, mit dem sie auch das Atelier teilt, - bzw. sie sind zu dritt in dem Atelier - noch mit Rainer Zwei... - also Martina ist viel weniger Herauslöserin von bildnerischem Schalk wie es der Rainer macht, sondern sie ist die Erzählerin. Einer ihrer mehreren Berufe ist ja vor allem das Schreiben, als Journalistin, als Autorin eigener Texte und Gedichte. Und sie erzählt von sich selbst.

Wenn man diese Arbeiten sieht wird man in einen seltsamen, bizarren, fast tiefenpsychologischen Raum verwiesen, man sieht sich konfrontiert mit den eigenartigsten Symbolen, toten Hasen, zugenähten Unterhosen, an Wäscheleinen angeklammerten Beinen. irgendwie faszinierend und gleichzeitig unergründlich.

Was schreibt sie selbst über ihre Arbeit?

Mein ALLGEMEINES Thema / Wachsen – Werden - Vergehen:

Mein Ausgangspunkt ist meistens der Wunsch zu erzählen, sei es in Buchstaben, Bildern, Zeichnungen, Theater, Bewegung oder Skulptur.

Ich fand es schon immer befreiend, Dingen, die mich beschäftigen, die mich und mein Leben umgeben, in irgend einer Form Ausdruck zu verleihen – angefangen beim Tagebuchschreiben bis hin zum Bild oder Tanz.

So finden sich in meinen Werken Geschichten – seien es erfundene, selbst erlebte oder die, die ich irgendwo erzählt bekommen, aufgeschnappt oder gelesen habe.

Sie sammeln sich in Büchern, Heften, auf Leinwänden und Papier – und anschließend wiederum verstaut in Schubladen, Kisten u.ähnl."

Martina Burandt ist also eine gänzlich andere Sammlerin als Rainer Kosubek. Wenn Rainer Kosubek's zentrales Thema die Bearbeitung, die Umformung vorgefundener künstlerischer Vorlagen ist, dann ist es bei Martina Burandt, die Beschäftigung mit der eigenen Biografie, mit dem täglich Erlebten, mit dem Hinein- und wieder Hinausschaffen von Erlebnissen, von Zuständen, auch von schmerzvollen Erfahrungen. Es ist durch aus auch ein Ein- und Ausatmen, und dabei wären wir auch ein bisschen bei ihrer anderen Tätigkeit, nämlich der intensiven Arbeit mit Yoga. Dazu aber jetzt nicht mehr, das können Sie, liebe Gäste, persönlich mit ihr diskutieren.

Es gibt im kunstgeschichtlichen Diskurs seit 1972 den Begriff der „Individuellen Mythologie". Er wurde von dem Kurator der Documenta 5 Harald Szeemann geprägt. Inhaltlich ist damit gemeint, dass Künstler und häufiger Künstlerinnen ihre künstlerischen Kräfte aus einem Rückzug ins Private und Subjektive unter gleichzeitiger Bezugnahme auf Mythologisches entwickeln. Nun steht bei Martina Burandt vielleicht das Mythologische noch nicht so sehr im Vordergrund aber eine unübersehbare individuelle Symbolsprache ist sofort wahrnehmbar.

Es gibt zwei wesentliche Dinge bei der Individualsymbolik, die diese Form des Symbolischen kennzeichnen: Die Symbole entstammen dem ganz konkret Gelebten der Person des Künstlers mit der damit ganz selbstverständlich einhergehenden Unkenntnis über die Bedeutung dieser Symbole, wenn sie nicht von dem Künstler oder der Künstlerin erklärt werden (oder man auf Grund biografischer Kenntnisse über die Person diese erschließen kann) und zweitens, dass der Betrachter eben auf der Grundlage des Nichtverstehens dieser Bedeutungen sich seine eigenen Bedeutungen schaffen muss um in das Geheimnis des Kunstwerkes eindringen zu können. Selbstverständlich ist auch das Verschlüsselte, das Geheimnisvolle selbst immer auch ein Faszinosum von Kunst, was wiederum heißt, dass es manchmal gar nicht erforderlich ist, dass man bei einem Kunstwerk alles versteht, sondern gerade das herausfordernde Nichtverstehen ist das Gemeinte, wenn es denn in einer Form daher kommt, die auf andere Weise die Sinne und die Sinnlichkeit, und das immer wieder aufs neue suchende Unverständnis hervorruft.

Jetzt haben Sie natürlich alle verstanden, was Individualsymbolik heißt. Vielleicht noch ein zweiter Versuch: Schauen Sie sich Ihr Bücherregal zu Hause an. Wie viele lächerlichen Dinge stehen da herum, völlig zum Wegwerfen, wenn da nicht die Erinnerung daran kleben würde, die den trivialen Gegenstand mit Bedeutung belädt. Keiner außer Ihnen kennt den besonderen Wert dieses Erinnerungsstückes. Für den Außenstehenden ist das einfach nur Kitsch, Quatsch oder schlechter Geschmack. Es sei denn der Gegenstand habe noch andere Qualitäten, die ihm die Berechtigung geben, sich im hehren Kontext weiterer qualitätvoller Gegenstände aufhalten zu dürfen.

Kommen wir also wieder zurück zu Martina Burandt.

Damit Individualsymbolik interessant bleibt - eben auch für den kunstinteressierten Betrachter müssen gestalterische Qualitäten dazu kommen, die den Anreiz bieten, sich trotz des Unverständnisses mit dem Werk auseinander zu setzen. Und das bieten die Arbeiten von Martina Burandt in Fülle.

Es ist übrigens hier die allererste Ausstellung von Martina Burandt, und wir können hier schon diese gestalterische Frechheit, die Experimentierfreudigkeit, auch die Grenzüberschreitungen erleben, die sicherlich mit zu den wesentlichen Kategorien zeitgenössischer Kunst gehören. Es macht Spaß, die Art und Weise zu betrachten mit der Burandt ihre Objekte zueinander collagiert, wie sie die Gegenstände zerstört, um sie wieder in eine neue Ordnung einzubinden, nein, eigentlich hinein zu nähen, wie sie Farbe, Material und Schrift miteinander verknüpft, und wie sie mit kleinen Überraschungen spielt. Das ist erst einmal die Seite der Medaille, die den Kunstfreund zum Staunen und zum Zupacken bringt, und dann bleibt eben noch der große Rest des Geheimnisses dieser Assemblagen. Man kann sich weiterhelfen mit Begriffen wie Surrealismus, wie Pop-art, wie - was ich anfangs tat - mit dem Begriff individuelle Mythologie, aber am besten ist es noch die Künstlerin, die ja unter uns weilt selbst zu befragen. Da kommen dann ganz eigenartige Dinge zum Vorschein, von Tanten, von abgeschnittenen Beinen, von geschenkten Unterhosen, von Zeitungsschnippeln, die die Künstlerin nicht mehr losgelassen haben, bis sie sie in eigener Manier bewältigt hatte, von Prinzessinnen auf der Erbse, von Familienschicksalen, von Operationen, - eben von Dingen, die in den besten Familien an der Tagesordnung sind, wenn wir das nur zugeben würden.

Aber das ist eben dann auch für uns Betrachter die Quelle von der her wir die Kunst von Martina Burandt verstehen können, uns unser eigenes Bild machen können von den dann für uns selbst bedeutungsvollen Zusammenhänge dieser aufrüttelnden Bild- und Objektwelten.

Und sollten nun meine Annäherungsversuche an diese beiden sehr unterschiedlichen Künstler ihnen ein bisschen was gesagt haben, freue ich mich natürlich, weiß aber auch, dass es nur meine eigenen Sichtweisen sind, die ich Ihnen zum besten geben konnte.

Jetzt sind Sie an der Reihe....

 

Ich danke

 

um halb neun werden wir noch ein Konzert von Hans Martin Gutmann hören, der aus Hamburg zu uns gekommen ist, um in dieser Ausstellung noch einen weiteren unvergesslichen Akzent zu setzen.  Wir werden davor ein paar Stühle hier aufstellen, damit man es sich bequem, machen kann, wie ich es schon zu Beginn angedeutet habe. Aber jetzt ist erst einmal die Ausstellung eröffnet.

 

zu Hans Martin Gutmann

 

Ich freue mich sehr Hans Martin Gutmann hier bei uns begrüßen zu dürfen. Martina Burandt ist sehr gut befreundet mit der Familie und wir dürfen uns deswegen glücklich schätzen, diesen tollen Musiker hier unter uns zu haben.

Es gibt eine durchaus interessante Internetseite, wo ich etwas über ihn erfahren konnte:

Die Website des „Project in progress -Tisch 5" aus Hamburg, einer bis 2013 bestehenden Musikergruppe, die eine kraftvoll zupackende, schnörkellos pulsierende Musik am Rand der tonalen Möglichkeiten spielt", wie (NDR 3 ) zu berichten weiß, hatte ein Konzert mit Hans Martin Gutmann, der Mitglied von Tisch 5 war. Dazu wurde beschrieben:

Es gibt nicht viele musikalische Vorbilder für Hans Martin Gutmann, und sie sind nicht alle Jazzpianisten: Charles Mingus und Wolfgang Amadeus Mozart, Cecil Taylor und Johann Sebastian Bach, nicht zu vergessen Herbie Hancock, aber nur der aus den 60-er Jahren. Charakteristisch für die Spielweise von Hans Martin Gutmann ist das energetische, pulsierende, alle überkommenden Muster überschreitende und chaotisierende Spiel - wobei immer klar ist, dass man nur die musikalischen Ordnungen zertrümmern kann, die man bis ins letzte beherrscht.

Hans Martin Gutmann hat mittlerweile eine mehr als 35-jährige Erfahrung als Komponist, Jazz- und Rockpianist, als Kabarettist und nicht zuletzt in der Inszenierung von Ritualen. Zahlreiche musikalische und andere Veröffentlichungen, am dauer-brennendsten die 1987 mit "Quartet&Brass" eingespielte LP "Choral für Nelson Mandela".

Jetzt aber los....